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Park & Ride

Park and Ride Frankfurt: 2.152 Plätze für 463.000 Pendler

Seit der letzten neuen Anlage von 1996 ist Frankfurts Park-and-Ride-Angebot kaum gewachsen, obwohl die Stadt täglich Hunderttausende Autopendler aufnimmt – erst das Konzept vom Herbst 2025 und zwei Pilotprojekte mit RMV-gebundenem Tarif bringen seit Kurzem Bewegung in ein System, das drei Jahrzehnte lang stillstand.

Dr. Eva Sommer
Dr. Eva Sommer
9. Juli 2026
Parkplatz mit Fahrrädern an einer Bahnstation
Foto: Mauricio Krupka Buendia / Pexels

Frankfurt gilt als die Stadt, in die Deutschland zur Arbeit fährt: Rund 463.000 Menschen pendeln täglich in die Main-Metropole, und knapp 60 Prozent von ihnen nutzen dafür das eigene Auto. Was in dieser Rechnung lange fehlte, war ein Angebot, das diesen Zustrom am Stadtrand abfängt, bevor er die Innenstadt erreicht. Bis vor Kurzem gab es davon erstaunlich wenig: 13 Anlagen mit zusammen rund 2.152 Stellplätzen, die letzte davon 1996 eröffnet – für eine Stadt, deren Pendlerzahlen seither kontinuierlich gewachsen sind. Erst ein im September 2025 vorgelegtes Konzept und zwei neue Pilotprojekte bringen seit Kurzem Bewegung in ein System, das drei Jahrzehnte lang praktisch stillstand.

traffiQ, VGF und der RMV: drei Namen für drei Aufgaben

Wer verstehen will, warum Frankfurts Park-and-Ride-Angebot so lange kaum wuchs, muss zunächst die Zuständigkeiten auseinanderhalten – und die sind hier, anders als im Berliner Flickenteppich, auf dem Papier klar geregelt. traffiQ, die Lokale Nahverkehrsgesellschaft Frankfurt am Main, wurde 2001 eigens gegründet, um als sogenannte Aufgabenträgerin das Nahverkehrsangebot der Stadt zu planen, auszuschreiben und zu finanzieren. Sie entscheidet, welche Linien fahren und wo neue P+R-Flächen entstehen sollen. Das eigentliche Fahren übernimmt die VGF, die Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main, die U-Bahn und Straßenbahn betreibt; ein Teil der Buslinien liegt bei weiteren beauftragten Unternehmen. Über beiden liegt der RMV, der Rhein-Main-Verkehrsverbund, der für das gesamte Rhein-Main-Gebiet den Tarif festlegt, nach dem am Ende jede Fahrt abgerechnet wird.

Zu diesem Dreiklang aus Planung, Betrieb und Tarif kommt bei den Parkflächen selbst noch eine vierte Ebene hinzu: Die Flächen und Gebäude gehören unterschiedlichen Eigentümern – der Deutschen Bahn beziehungsweise DB InfraGO an den S-Bahnhöfen, privaten Betreibern wie der PBG Parkhaus-Betriebsgesellschaft am Borsigallee-Parkhaus, und seit Januar 2026 mit APCOA erstmals einem bundesweit tätigen privaten Parkraumbewirtschafter, der die neue Anlage in Niederrad im Auftrag der Stadt betreibt. Klar zuständig zu sein heißt in Frankfurt also nicht, dass eine einzige Institution auch alles umsetzt.

Eine kleine Zahl für eine große Stadt

Die nackten Zahlen erklären, warum der Ausbau seit 2025 auf so breite Zustimmung stößt. Vor dem aktuellen Ausbauprogramm standen in Frankfurt 13 Park-and-Ride-Anlagen mit zusammen rund 2.152 Stellplätzen zur Verfügung – zwölf einfache Parkflächen und das große Parkhaus am Borsigallee. Setzt man diese Zahl in Bezug zu den geschätzt 278.000 Menschen, die täglich mit dem Auto nach Frankfurt einpendeln (60 Prozent von 463.000), ergibt sich ein Deckungsgrad von deutlich unter einem Prozent. Selbst wenn nur ein Bruchteil der Autopendlerinnen und -pendler realistischerweise auf P+R umsteigen würde, reichte das bestehende Angebot bei Weitem nicht aus.

Der ADAC kommentierte das neue Konzept entsprechend nüchtern als „solide Grundlage“ – verbunden mit dem Hinweis, dass die letzte neue P+R-Anlage in Frankfurt 1996 eröffnet wurde. Fast dreißig Jahre lang hat sich an der Kapazität damit kaum etwas verändert, während die Stadt selbst, ihre Beschäftigtenzahl und ihr Pendlereinzugsgebiet spürbar gewachsen sind. Kritischere Stimmen wie der Verkehrsclub Deutschland (VCD) sehen im aktuellen Programm dennoch nur einen „Tropfen auf den heißen Stein“ – gemessen an der Zahl der Autopendler bleibt selbst ein verdoppeltes Angebot ein vergleichsweise kleiner Baustein.

Die bestehenden Anlagen: von Borsigallee bis Ostendstraße

So klein das Gesamtangebot ausfällt, so unterschiedlich sind die vier Anlagen, an denen es sich heute konkret zeigt.

AnlagePlätzePreisAnbindung
P+R-Haus Borsigallee899 (14 E-Ladeplätze)1,50 € pro TagU4/U7 ab Kruppstraße
P+R Hessen-Centernicht veröffentlicht20,00 € pro MonatU4/U7
P+R Niederrad (Aculeum)10020,00 € pro MonatS7/S8/S9, RB/RE, Tram 12/19
P+R Ostendstraßenicht veröffentlichtnicht veröffentlicht (Stand 2026)S1–S6, S8, S9

Das P+R-Haus Borsigallee im Frankfurter Osten ist mit 899 Stellplätzen, davon 14 mit Lademöglichkeit für Elektrofahrzeuge, die mit Abstand größte Anlage der Stadt. Es liegt direkt neben dem Einkaufszentrum Hessen-Center, ist rund um die Uhr geöffnet, kostet 1,50 Euro pro Tag – und ist dabei ausdrücklich nur für Fahrgäste mit einem gültigen RMV-Fahrschein reserviert, nicht für beliebige Dauerparker. Betrieben wird es von der PBG Parkhaus-Betriebsgesellschaft, nicht von traffiQ oder der Stadt selbst. Von der nahen U-Bahn-Station Kruppstraße erreichen U4 und U7 die Hauptwache in weniger als zwanzig Minuten.

Gleich nebenan, ebenfalls an die Linien U4 und U7 angebunden, läuft seit Herbst 2025 die Pilotanlage P+R Hessen-Center mit einer eigenen Monatskarte für 20 Euro. Im Süden der Stadt ist seit dem 12. Januar 2026 die zweite Pilotanlage in Betrieb: 100 Stellplätze im Parkhaus Aculeum in der Hahnstraße, rund 150 Meter vom Bahnhof Niederrad entfernt, mit direktem Anschluss an die S-Bahn-Linien S7, S8 und S9 sowie mehrere Regionalzüge und die Straßenbahnlinien 12 und 19. Gebucht wird nicht am Automaten, sondern über die App APCOA FLOW; die Zufahrt läuft per Kennzeichenerkennung, ganz ohne Ticket oder Schranke. Voraussetzung ist eine mindestens 30 Tage gültige RMV-Fahrkarte für das Frankfurter Stadtgebiet – wer sie hat, zahlt 20 Euro im Monat, mit automatischer Verlängerung bis zur Kündigung. Verkehrsdezernent Wolfgang Siefert begründete die Erweiterung damit, mit den neuen Plätzen einen weiteren Anreiz zu schaffen, vom Auto auf den ÖPNV umzusteigen; traffiQ-Geschäftsführer Prof. Dr.-Ing. Tom Reinhold betonte, das Angebot solle vor allem den Arbeitsweg der Fahrgäste vereinfachen.

Die vierte etablierte Anlage liegt am östlichen Mainufer: der S-Bahnhof Ostendstraße, angebunden an praktisch alle Frankfurter S-Bahn-Linien von S1 bis S9. Sie ist die innenstadtnächste der vier Optionen – und entsprechend die am wenigsten typische, weil der eigentliche Sinn von P+R ja gerade darin liegt, den Weg ins Zentrum möglichst früh auf die Schiene zu verlagern, nicht möglichst spät.

Ein Tarif, der an die RMV-Fahrkarte gekoppelt ist, nicht an eine eigene Jahreskarte

Wer die Frankfurter Tarife mit denen anderer Städte vergleicht, stößt auf eine Besonderheit: Es gibt kein eigenständiges P+R-Ticket, das man losgelöst vom übrigen Nahverkehr kaufen könnte. Hamburg hat mit seiner Jahreskarte für 100 Euro ein eigenes Produkt geschaffen, das an ein HVV-Abo oder das Deutschlandticket gekoppelt ist, aber trotzdem separat erworben wird. Frankfurt geht einen anderen Weg: Die neuen Monatskarten für 20 Euro in Niederrad und am Hessen-Center setzen schlicht voraus, dass bereits eine gültige RMV-Fahrkarte vorliegt, die mindestens 30 Tage lang für das Frankfurter Stadtgebiet gilt. Das kann ein klassisches RMV-Abo sein, ebenso gut aber das bundesweite Deutschlandticket, das seit Januar 2026 63 Euro im Monat kostet.

Wer also bereits pendelt und ohnehin ein Deutschlandticket besitzt, zahlt für einen der neuen, komfortablen Stellplätze in Niederrad oder am Hessen-Center effektiv nur die 20 Euro obendrauf – ohne separate Anmeldung bei einem zweiten Anbieter, ohne zusätzliche Karte im Portemonnaie, nur ein Fahrzeug, das über sein Kennzeichen erkannt wird. Am Borsigallee gilt dagegen weiterhin das ältere, einfachere Modell: 1,50 Euro pro Tag, ebenfalls nur für RMV-Fahrscheininhaber, aber ohne Bindung an eine Mindestlaufzeit und ohne App-Registrierung. Beide Modelle koexistieren zurzeit nebeneinander, und es ist bislang offen, ob die Stadt sie langfristig vereinheitlicht oder ob die tageweise und die monatliche Logik dauerhaft parallel bestehen bleiben. Wie unterschiedlich deutsche Großstädte ihre P+R-Tarife gestalten, von süddeutschen Stufenmodellen bis zu norddeutschen Jahreskarten, ordnet der Städtevergleich unter Park and Ride Deutschland ein.

Das Konzept vom Herbst 2025: 2.000 neue Plätze, acht Pendlerkorridore

Den eigentlichen Kurswechsel markiert das im September 2025 vorgestellte P+R-Konzept der Stadt, erarbeitet von traffiQ und dem Verkehrsdezernat. Ziel ist es, die vorhandene Kapazität mittelfristig auf etwa 4.000 Stellplätze zu verdoppeln – rund 2.000 zusätzliche Plätze, verteilt auf mehrere neue Standorte. Grundlage dafür war eine Analyse, die acht Pendlerkorridore identifizierte: Straßen- und Schienenachsen, auf denen besonders viele Autofahrten in die Stadt hinein enden und an deren Rand sich ein Umstieg lohnen würde.

Zwei Standorte gelten als besonders aussichtsreich und sollen zusammen rund 1.200 der neuen Plätze liefern: Römerhof im Westen, nahe der Autobahn A5, und eine Erweiterung am bereits bestehenden Borsigallee-Standort im Osten, verkehrsgünstig zwischen A5 und A66 gelegen. Drei weitere Standorte – Taunusblick, Kalbach und Frankfurter Berg, Letzterer eine ebenerdige Fläche am Endpunkt der U-Bahn-Linie U5 mit rund 77 Plätzen – befinden sich noch in der Prüfung; für Kalbach und Taunusblick steht unter anderem eine naturschutzrechtliche Bewertung aus, weil beide Flächen an Landschaftsschutzgebiete grenzen. Zusammen sollen diese drei Standorte rund 836 weitere Plätze beisteuern. Separat davon prüft die Stadt ein deutlich größeres Vorhaben am Gateway Gardens nahe dem Flughafen: ein Parkhaus mit mindestens 1.000 Stellplätzen direkt am dortigen S-Bahnhof, das neben Pendlerinnen und Pendlern auch Besucherinnen der geplanten neuen Multifunktionsarena aufnehmen soll, deren Bau für 2026 anvisiert ist.

Ein verbindliches Datum für die Fertigstellung gibt es noch nicht – die Stadtverordnetenversammlung muss Bau- und Finanzierungsvorschläge erst noch beschließen, und bei mehreren Standorten stehen Machbarkeitsstudien und Genehmigungsverfahren noch aus. Alle genannten Platzzahlen sind Planwerte (Stand 2026) und können sich im weiteren Verfahren noch verändern.

Der Vergleich mit dem Parken in der Innenstadt

Damit die Zahlen der P+R-Tarife eine Einordnung bekommen, lohnt der Vergleich mit der Alternative, die sie ersetzen sollen: das Auto bis in die Frankfurter Innenstadt zu fahren. Dort kosten städtische Parkhäuser werktags etwa 2 Euro pro Stunde, sonntags rund 1 Euro; in zentralen, privat betriebenen Häusern rund um Zeil, Hauptwache oder Bankenviertel sind bis zu 5,50 Euro pro Stunde keine Seltenheit. Für einen Acht-Stunden-Arbeitstag im teureren Segment kommen so schnell 30 bis 40 Euro zusammen – täglich, nicht einmalig.

Dagegen steht die neue Monatskarte für 20 Euro, die selbst bei täglicher Nutzung an gut zwanzig Arbeitstagen im Monat auf rund einen Euro pro Tag hinausläuft, zuzüglich des ohnehin vorhandenen RMV-Tickets. Selbst das ältere Tagesmodell am Borsigallee mit 1,50 Euro bleibt weit unter jedem innerstädtischen Stundensatz. Anders als in Düsseldorf, wo die städtischen Rheinbahn-Anlagen komplett kostenfrei sind, zahlt man in Frankfurt zwar für den Stellplatz selbst – aber die Differenz zur Innenstadtalternative ist so groß, dass sie den eigentlichen Anreiz liefert, nicht der niedrige Preis für sich genommen.

Das Fahrrad als Zubringer: leiser Fortschritt an den Stationen

Während der Ausbau der Autostellplätze gerade erst beginnt, ist bei der Fahrradinfrastruktur an den Frankfurter Bahnhöfen in den vergangenen Jahren bereits einiges passiert – leiser, aber messbar. Am S-Bahnhof Rödelheim wuchs die Zahl der Fahrradstellplätze von 92 auf 208, an der U-Bahn-Station Heddernheim von 40 auf 124. Am S-Bahnhof Ostendstraße steht seit Dezember 2021 eine doppelstöckige Abstellanlage mit 48 Plätzen, die auf kleiner Fläche deutlich mehr Räder unterbringt als eine einfache Bügelreihe.

Für den letzten Kilometer zur Station ist das Rad in vielen Frankfurter Vororten die schnellere und verlässlichere Wahl, weil es weder auf einen der raren Autostellplätze angewiesen ist noch von deren Belegung morgens um acht abhängt. Wer im Frankfurter Umland zwei oder drei Kilometer von der nächsten Station entfernt wohnt, sollte diese Option prüfen, bevor er sich auf einen unsicheren Autostellplatz verlässt.

Wann sich der Umweg über den Stadtrand lohnt

Ob sich Park and Ride für Sie in Frankfurt lohnt, hängt heute stärker als in den meisten anderen deutschen Großstädten von einer einzigen Frage ab: Bekommen Sie überhaupt einen Platz? Bei landesweit nur gut 2.150 vorhandenen Stellplätzen – Tendenz erst langsam steigend – ist die Verfügbarkeit der limitierende Faktor, nicht der Preis.

Klar dafür spricht die Kombination aus bestehendem RMV-Ticket oder Deutschlandticket und einer Wohnlage nahe einer der vier etablierten Anlagen: Wer ohnehin am Borsigallee, Hessen-Center, in Niederrad oder an der Ostendstraße vorbeikommt, zahlt für den Stellplatz nur einen kleinen Aufschlag auf ein Ticket, das er ohnehin braucht – eine Rechnung, die günstiger ausfällt als in Berlin, wo P+R zwar meist kostenlos ist, aber ohne jede Reservierungsmöglichkeit und mit dem Risiko einer schon um sieben Uhr morgens überfüllten Anlage. Dagegen spricht der schlichte Mangel an Kapazität: Wer nicht in unmittelbarer Nähe einer der wenigen Anlagen wohnt oder arbeitet, findet in Frankfurt selbst heute noch kein flächendeckendes Angebot, wie es andere Städte im bundesweiten Vergleich längst aufgebaut haben.

Eine andere Stadt mit einem viel kleineren, dafür meist kostenlosen Innenstadtnetz ist Nürnberg, beschrieben unter Park and Ride Nürnberg.

Wer statt App-Buchung ein Abo-Modell mit Umweltzonen-Ausnahme sucht, findet das VVS-System unter Park and Ride Stuttgart.

Wer statt Park and Ride ein Parkhaus direkt an der Festhalle sucht, findet die Konzert- und Messepreise unter Parken an der Festhalle Frankfurt.

Das dürfte sich in den kommenden Jahren ändern, wenn die im Konzept von 2025 skizzierten Standorte tatsächlich gebaut werden. Bis dahin bleibt Park and Ride in Frankfurt, was es historisch immer war: ein kleines, aber gezielt einsetzbares Angebot für die, die es genau an der richtigen Stelle brauchen – und ein Politikfeld, das nach dreißig Jahren Stillstand gerade erst wieder in Bewegung gerät. Weitere Systeme im Städtevergleich finden Sie unter Park & Ride.

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